Berufsethik

In den Ethikleitlinien der Gestalttherapie werden Aussagen über die Kompetenz von Therapeut*innen getroffen, über deren Verantwortlichkeit für Ehrlichkeit und Transparenz, den Charakter der Beziehung zwischen Klient*in und Therapeut*in und die Strukturierung des therapeutischen Arbeitsbündnisses. Des Weiteren werden Themen wie Datenschutz, Werbung, die Lösung von ethischen Problemen, Ausbildung, Supervision und ethische Leitlinien in der Forschung behandelt.

Ich bin in besonderer Weise verantwortlich, meine Kompetenz durch persönliche und professionelle Entwicklung, durch regelmäßige Supervision, Fortbildung und Eigentherapie zu fördern. Andererseits gehört zur Kompetenz, meine eigenen Grenzen zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Ich bemühe mich um Transparenz und Ehrlichkeit und mache keine falschen oder irreführenden Aussagen, z.B. über meine Ausbildung, meine Zusammenarbeit mit Institutionen, meine Beziehungen zu Kollegen*innen und über die mögliche Wirksamkeit meiner Dienstleistungen.

Ich handele in dem Bewusstsein, dass mein persönlicher Hintergrund meine Arbeit beeinflusst, dass ich verantwortlich bin gegenüber der Gemeinschaft und Gesellschaft, in der ich lebe und arbeite, und ich berücksichtige das Umfeld, aus dem meine Klient*innen kommen und in dem diese leben.

Therapeutische Beziehung

(Beziehung zwischen Klient*in und Therapeut*in)

  1. Die Klient*in/Therapeut*in-Beziehung ist bei aller möglichen Nähe stets eine professionelle Beziehung.
  2. Die Therapeut*innen erkennen die Wichtigkeit der Beziehung für eine wirkungsvolle Therapie an. Sie sind sich der Macht des Einflusses bewusst, die mit der therapeutischen Situation verbunden ist; sie handeln auf eine Art, die mit diesem Wissen vereinbar ist.
  3. In der therapeutischen oder beratenden Beziehung soll keine Thematik menschlichen Verhaltens und Erlebens aus der Kommunikation ausgeschlossen werden. Es soll jedoch konkretes Verhalten ausgeschlossen werden, das die Grenzen der vereinbarten Beziehungsform aufhebt.
  4. Zur Therapie gehörender Körperkontakt ist ausschließlich am Wohle der Klient*innen orientiert und erfordert besondere Sorgfalt, die z.B. im Einholen des spezifischen Einverständnisses der Klient*innen bestehen kann.
  5. Therapeut*innen nutzen ihre Klient*innen weder finanziell noch sexuell oder emotional für ihren persönlichen Vorteil und ihre eigenen Bedürfnisse aus.
  6. Therapeut*innen lassen sich unter keinen Umständen auf sexuelle Beziehungen mit ihren Klient*innen ein. In Anbetracht des Wesens einer therapeutischen Beziehung erkennen sie an, dass sich durch die Beendigung einer Therapie nicht automatisch eine Änderung in der Beziehung ergibt und zur gegenseitigen Ablösung Zeit gebraucht wird.

Vertraulichkeit

Persönliche Daten der Klient*innen und alle Inhalte der Therapie sind von den Therapeut*innen vertraulich zu behandeln. Dies gilt auch für Supervision und Intervision; die konsultierten Kolleg*innen unterliegen ebenfalls der Schweigepflicht. Für elektronische Aufzeichnungen der Sitzungen wird die Einwilligung der Klient*innen eingeholt.

Bei schriftlichen Veröffentlichungen und Vorträgen, die Fallbeispiele enthalten, geben die Betroffenen entweder schriftliches Einverständnis oder die Beispiele werden so verschlüsselt, dass eine Identifizierung nicht möglich ist.

Auch nach Beendigung der professionellen Beziehung bleibt die Schweigepflicht bestehen.

Eine Einschränkung der Schweigepflicht ist dann gegeben, wenn der/die Klient*in eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt.

Klärung der Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen der Therapie, wie finanzielle Vereinbarungen, Schweigepflicht, Kündigungen sowie Absagen von Sitzungen werden zu Beginn der Therapie klar besprochen und vereinbart.

Jede Veränderung der Rahmenbedingungen wird neu vereinbart. Bei Anfragen von Personen, die sich schon anderweitig in therapeutischer Behandlung befinden, gilt es kritisch abzuwägen, ob es verantwortungsvoll ist, die Klient*in in Therapie zu nehmen. Andere Vergütungsformen als Honorarzahlungen sind in der Regel zu vermeiden.

Dauer und Beendigung des Arbeitsbündnisses. Die Dauer einer Therapie, Überweisungen und Beendigung der Therapie werden mit den Klient*innen besprochen und möglichst einvernehmlich entschieden. Da der Abschied ein wichtiger Teil des Therapieprozesses ist, sollte das Arbeitsbündnis nicht abrupt beendet werden.

Therapeut*innen beenden ein Arbeitsverhältnis, wenn:

  • im gegenseitigen Einverständnis der Arbeitsprozess als abgeschlossen angesehen wird.

  • die Therapeut*in an den Grenzen ihrer fachlichen Kompetenz und/oder ihrer Belastbarkeit angekommen ist. Sie bemühen sich dann um die Vermittlung einer angemessenen professionellen Unterstützung für die Klient*innen. 

  • hinreichend deutlich wird, dass die Klient*innen es nicht länger brauchen, davon nicht profitieren, es nicht mehr wollen und/oder durch eine Fortführung Schaden erleiden würden.

Datenschutz

Umgang mit Akten sowohl digital als auch analog

Ich behandle Akten, die ich anlege, aufbewahre, weitergebe oder vernichte, vertraulich und gemäß den gesetzlichen Bestimmungen. Ich treffe Vorkehrungen für den Fall meines Todes, einer Arbeitsunfähigkeit oder für den Fall, dass ich meine Position bzw. meine praktische Arbeit aufgebe, so dass vertrauliche Gutachten oder andere Unterlagen geschützt bleiben.

Vertrauliche Informationen in Datenerfassungssystemen

Die Behandlung vertraulicher Informationen in Datenerfassungssystemen muss dem Datenschutzgesetz entsprechen. Persönliche Daten müssen verschlüsselt, anonymisiert oder gelöscht werden, wenn das Vorhaben, dessentwegen sie gespeichert worden sind, beendet ist.